Wenn du einen langen Tag hattest und der Kopf nicht ganz frei ist, dann ist Dostojewski nichts für dich. Das Hirn muss einigermaßen aufgeräumt und aufnahmefähig sein, sonst: versteht es nur Bahnhof. Dostojewski eignet sich, wenn er menschliche Tiefen beschreibt, ohnehin nicht für Eskapismus. Andererseits gibt es kaum Autoren, die das Seelenleben ihrer Protagonisten derartig … Weiterlesen
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Nabokov überrasche mit jedem Satz – Dieter E. Zimmer im Interview
Autor, Journalist und Übersetzer Dieter E. Zimmer ist verantwortlich für die deutsche Nabokov-Werkausgabe bei Rowohlt, die weltweit in ihrer Form einzigartig sein soll. Leider gäbe er schon seit Jahren keine Interviews mehr, schrieb mir der fast 82-Jährige auf meine Anfrage zurück. Er müsse die Reste seiner Arbeitskraft auf den Abschluss der Nabokov-Gesamtausgabe verwenden. Und dann … Weiterlesen
Anatolij Kusnezow – Babij Jar – Die Schlucht des Leids
Anlässlich des 75. Jahrestages von Babij Jar besichtigte ich im Rahmen einer deutsch-ukrainischen Jugendbegegnung den ehemaligen Ort des Verbrechens in Kiew. Sprach mit Zeitzeugen wie Vasyl Mychailovsky, der den Nazis durch Glück und Zufall als Kind entkam. Und ich muss zugeben: Auch mir war die Geschichte zu dieser Schlucht im Vorfeld nicht bekannt. Als vorbereitende … Weiterlesen
Dann gingen wir durch einen Schrank – Bulgakow-Museum in Kiew
Wer Kiew besucht und sich für Literatur begeistert, sollte im Michail-Bulgakow-Museum einen Stopp einlegen. In dem Haus mit der Nummer 13, das sich auf dem Andreassteig im Stadtteil Podil befindet, hat einst der große Autor gelebt. Sein Roman »Die weiße Garde« spielt zum Teil in diesem Heim, wenn er durch Einzelschicksale den Umbruch während der … Weiterlesen
Michail Bulgakow – Aufzeichnungen eines Toten
Was ich an Bulgakow genauso wie an Nabokov schätze: dieses Zeitlose. Obwohl ihre Texte mehr als ein halbes Jahrhundert alt sind, kommt die Sprache (in den Übersetzungen) nie veraltet, antiquiert oder verstaubt vor. Vor allem beinhalten ihre Texte nach wie vor einen originellen Witz, der auch in einem der letzten Werke von Bulgakow auftaucht: den … Weiterlesen
Alissa Ganijewa – Eine Liebe im Kaukasus
Früher in unseren Kreisen total in und vorausgesetzt, im heutigen Westen eher out: Die erste Partnerschaft verbunden mit dem Schritt vor den Altar – ein Muss. Von diesem Modell und Ritual verabschieden sich die in den 80er Jahren Geborenen immer mehr, insofern sie nicht religiös sind oder Steuern sparen wollen. In anderen Teilen dieses Planeten … Weiterlesen
Alexander Ilitschewski – Der Perser
Nahezu episch ist dieser Roman. Der in Aserbaidschan geborene Alexander Ilitschewski glänzt mit einer sprachlichen Brillanz, die einzigartig und ungewöhnlich für zeitgenössische Literatur erscheint. Bei allem Lob hat seine Geschichte dennoch zweifelsohne ihre Längen und hätte durchaus minimiert werden können. Dennoch verinnerlicht »Der Perser« Elemente und Sequenzen eines Meisterwerks. Vergleichsweise lange habe ich für dieses … Weiterlesen
Vladimir Nabokov – Gute Leser und gute Autoren
Bevor »Lolita« 1958 einschlug und ihn zu einem reichen Mann machen sollte, lehrte Vladimir Nabokov, der zuvor aus Russland und Deutschland fliehen musste, in den USA. In Cornell hielt er in den 50er Jahren Vorlesungen (verboten waren Unterhaltungen, Rauchen, Stricken, Zeitungslesen und Schlafen) über europäische Klassiker. Diese Vorträge wurden 2014 auf Deutsch veröffentlicht, das Buch … Weiterlesen
Anatoli Pristawkin – Wir Kuckuckskinder
Sobald ein Diktator zu seiner Position gelangt ist, finden sich keine Zweifel mehr. Vollstes Vertrauen spricht ihm jegliche Gesellschaftsschicht aus. Es gibt kein Dagegen, es ist nicht existent. Anatoli Pristawkin (*1931 – †2008), hierzulande eher unbekannt, verdeutlicht in »Wir Kuckuckskinder« (1991 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet) diese Dimensionen und zudem das Schicksal von sowjetischen Waisenkindern … Weiterlesen
Sergej Lebedew – Menschen im August
Die Memoiren der Großmutter sorgen dafür, dass der Ich-Erzähler sich auf die Suche begibt, denn dieser will »das Ungesagte zu Ende denken«. Klappt leider nicht ganz. Dennoch wird die zentrale Figur zum »Pfandfinder fremder Leben«, die Verschüttete, Opfer der Sowjetunion, ausgraben soll. Der dritte Roman des Russen, Sergej Lebedew, »Menschen im August« funktioniert insgesamt jedoch … Weiterlesen