Dann gingen wir durch einen Schrank – Bulgakow-Museum in Kiew

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Wer Kiew besucht und sich für Literatur begeistert, sollte im Michail-Bulgakow-Museum einen Stopp einlegen. In dem Haus mit der Nummer 13, das sich auf dem Andreassteig im Stadtteil Podil befindet, hat einst der große Autor gelebt. Sein Roman »Die weiße Garde« spielt zum Teil in diesem Heim, wenn er durch Einzelschicksale den Umbruch während der Russischen Revolution beschreibt.

Bei der Exkursion wird deutlich, mit welchen Talenten Bulgakow gesegnet war. Er war nicht nur Literat und Dramaturg, sondern ebenso Musiker und Mediziner. Selbstredend erfährt man einiges über die Person hinter dem Schriftsteller und die autobiografischen Elemente, die, das kann man beweisen, in jedem seiner Werke auftauchen.

Als der Vater 1907 starb, musste Bulgakow, der Älteste der sieben Kinder, zum Familienoberhaupt reifen. Er, selbst 1891 in Kiew geboren, studierte an der Kiewer Universität Medizin und diente als Arzt von 1916 bis 1918 im Ersten Weltkrieg an der Front. In dem Haus, in dem sich das heutige Museum befindet, wohnte er von 1906 bis 1916 und 1918 im Obergeschoss. Rund 500 Exponate sind dort tatsächlich noch Originale.

Aufgebaut ist die Tour genau wie seine Romane. Das bläuliche, neblige Licht ist gedimmt, die Möbel sind alle weiß lackiert. Eine mystische und geheimnisvolle Atmosphäre ergibt sich beim Betreten der Räume. Plötzlich wird man gebeten, durch einen Kleiderschrank zu gehen, weil darin eine Tür verbaut ist, die zur Schreibstube führt und wo Bulgakow als Student gerne saß. Dann erlischt die Beleuchtung komplett und in einem Spiegel tauchen Sterne auf, während der Guide Passagen aus Bulgakow-Werken vorträgt – nette Show. Ansonsten lädt das kleine, aber feine Museum ein, in Bulgakows Welt zu tauchen. Die 40 Hrywnja – umgerechnet circa 1,30 Euro – für den Eintritt und die kurzweilige Führung lohnen.

 

5 thoughts on “Dann gingen wir durch einen Schrank – Bulgakow-Museum in Kiew

  1. Solch eine Spurensuche vor Ort oder den Besuch von Literaturhäusern, Geburtshäusern etc. finde ich unheimlich spannend. Dein Bericht zeigt mir zudem eine Lektüre-Lücke auf; von Bulgakow habe ich noch nichts gelesen. Viele Grüße

  2. Pingback: [Die Sonntagsleserin] Oktober 2016 | Phantásienreisen

  3. Pingback: Quer durch Moskau | Muromez

  4. Pingback: Kürze und Würze #5 | Muromez

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