Als vor vierzehn Jahren Marcel Reich-Ranicki und Co das letzte Mal in der Glotze Literatur sezierten, war ich viel zu cool und krass, um dieser Alt-Herren-Runde an der Röhre beiwohnen zu wollen. Die ersten Barthärchen sorgten für anderweitige Interessen. Nun ist die Gesichtsbeharrung ausgeprägter und wird die Farbe demnächst zu grau wechseln. Auch die Menschen … Weiterlesen
Karl Ove Knausgård – Lieben
Immer wieder lässt Karl Ove Knausgård die Hosen herunter, behandelt seinen Kampf und sein Leben, das häufig im Sumpf steckt, öffentlich. Diese persönlichen Offenbarungen eines von Selbstzweifeln zerfressenem Menschen sorgen dafür, sich selbst zu betrachten. Die drastische Reflexion, die der Norweger autobiografisch betreibt und die sich für nichts zu schade ist, findet sich kaum woanders. … Weiterlesen
Serhij Zhadan – Mesopotamien
Das ostukrainische Charkiw, nur vierzig Kilometer von der russischen Grenze entfernt, ist das Zuhause von Serhij Zhadan und dort sind auch seine neun Geschichten und Biografien angesiedelt, die im zweiten Teil in Erläuterungen und Verallgemeinerungen als Gedichte behandelt werden. Der Titel des Romans hört dennoch auf den Namen »Mesopotamien«, der Landschaft in Vorderasien, die heute … Weiterlesen
In den vier Wänden von José Saramago
Es bedarf einige Anlaufschwierigkeiten, um das Häuschen des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago auf der kanarischen Vulkaninsel Lanzarote und im kleinen Städtchen Tías zu finden. Schilder wären hilfreich, letztlich und nach ein paar falschen Abbiegungen im beliebten Kreisverkehr, richtet sich der Blick auf ‚A casa‘. Dort lebte Saramago 18 Jahre bis zu seinem Tod 2010 im … Weiterlesen
Ralf Rothmann – Im Frühling sterben
Sein Vater fand nie Worte dafür, um seine Kriegserlebnisse auszudrücken und nahm diese, ohne sie zu teilen, mit ins Grab. Denn »selbst wenn er die Sprache dafür [gehabt] hätte, würde es keine Erlösung geben« und der Autor setzt dort an. In »Im Frühling sterben«, von der Literaturkritik überaus positiv aufgenommen, widmet sich Ralf Rothmann fiktiv … Weiterlesen
Das Pärchen und das Meer
Das Meer übt eine Faszination aus, die nicht rational erklärt werden kann. Immer wieder reisen wir zum Meer, immer wieder lädt es uns ein. Warum begeistert es uns? Weil wir die Unendlichkeit spüren? Wasser, soweit das Auge blickt … und es blickt nicht so weit, um festzustellen, wo das Ende liegt. Am Horizont! Und darüber … Weiterlesen
Olivier Rolin – Der Meteorologe
Eigentlich, ja eigentlich befand sich der Franzose Oliver Rolin 2010 nur für einen Vortrag an der Universität von Archangelsk und verband damit einen Besuch auf den Solowezki-Inseln im Weißen Meer. Dort stieß Rolin auf ein nicht im Buchhandel erhältliches Album der Tochter eines Deportierten, gewidmet ihrem Vater Alexei Wangenheim zuliebe. Bestehend aus Briefen und Zeichnungen, … Weiterlesen
Zwanzig Mark und sonst nichts – #BloggerFuerFluechtlinge
Anfang der 90er bin ich mit meiner Familie immigriert. Meine Eltern besaßen bei unserer Ankunft ganze zwanzig Deutsche Mark im ansonsten leeren Portemonnaie. Wir hatten also bis auf die paar Kröten fast nichts. Dafür Verwandte im Umkreis, die halfen, die übersetzten, vermittelten, unter die Arme griffen und bei Behördengängen unterstützten. Zu Beginn lebten wir – … Weiterlesen
Pierre Bost – Bankrott
Ein Lehrer hat mal seiner Klasse gesagt: »Ihr sollt Fehler machen. Wer sie aber wiederholt, bleibt dumm.« Der Protagonist in »Bankrott« (1928) begeht allerdings einen Fehler, aus dem nicht gelernt werden kann. Der Chef eines Unternehmens verliebt sich in eine Angestellte, die seine Gefühle partout nicht erwidern will. An diesem Zustand scheitert er, geht nicht … Weiterlesen
Dato Turaschwili – Westflug
Am 18. November 1983 kidnappen sieben junge Georgier das Flugzeug der Linie 6833, das in Tiflis startet und in Leningrad landen soll. Es ist ein Versuch, sich aus den Klauen der Sowjetunion zu befreien und ein Leben im Westen zu beginnen. Es bleibt beim Versuch. Sechs der Entführer werden zum Tode verurteilt, Unbeteiligte sterben. Dato … Weiterlesen