Boris Sawinkow – Das schwarze Pferd

Dieser Mann hätte einen der mächtigsten Männer des 20. Jahrhunderts stürzen können. »Viele meinen, Sawinkow würde Lenin umbringen«, schrieb Iwan Bunin damals. Boris Sawinkow (*1879 – †1925) war seinerzeit ein gefürchteter Top-Terrorist – und gleichzeitig Schriftsteller.  Diese Kombination sorgte auch dafür, dass sein wiederentdecktes Werk »Das fahle Pferd« 2015 breit besprochen wurde und viel Aufmerksamkeit genoss. Kein Wunder, dass der Galiani Verlag nachlegte und mit »Das schwarze Pferd« ein weiteres Werk vom Russen veröffentlichte.

Und ähnlich wie beim Vorgänger geht es hier brutal zu. Der »Himbeersaft fließt«, als sich George im Russischen Bürgerkrieg befindet und die Gedanken und Taten fragmentarisch in Tagebucheinträgen festhält. Sawinkows Alter Ego, George, taucht auch im ersten Buch auf, damals kämpft er noch gegen den Zaren. Nun führt er die Weißen im Kampf gegen die Roten, dann die Grünen (eine Gruppe von Banditen und Bauern) an.

Was treibt diesen Mann an, der Feinde, Verräter brutal, gleichgültig abschlachtet und dennoch Liebe empfindet? Es sind der Hass, der einen Frieden nicht akzeptieren kann, und die falschen Versprechen der »Höllenbiester«, wie er die Bolschewiken bezeichnet. Wirklich stichhaltige Argumente, warum George so ist, wie er ist – ein Killer –, lassen sich jedoch nicht eindeutig herausfiltern. Eine Legitimation für das Morden sucht man vergebens.

Was bei Sawinkow erstaunt: die Sprache. Minimalistisch sind die Sätze, knapp und reduziert die Details – kein Wort zu viel. Dieser erschreckend nüchterne Stil wirkt vor allem dann, wenn  Hinrichtungen, Massaker und andere Gewaltexzesse wiedergegeben werden. Der Übersetzer Alexander Nitzberg hat Lob verdient!

Sawinkows Werke beeindrucken nicht nur, weil sie ein Mensch mit einer außergewöhnlichen, womöglich einzigartigen Biografie verfasst hat. Mir gefällt, wie der Autor sie verdichtet hat, indem er das Blabla auslässt und Schockierendes in einer unvergleichlichen Kälte erzählt. Ein Glück, dass Nitzberg noch ein drittes Buch von Sawinkow übersetzt.

[Buchinformationen: Sawinkow, Boris (März 2017). Das schwarze Pferd. Roman aus dem Russischen Bürgerkrieg. Galiani Berlin. Aus dem Russischen von Alexander Nitzberg. 272 Seiten. ISBN: 978-3-86971-145-4]

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