Alexander Solschenizyn – Der Archipel Gulag

Im April begonnen. Im November beendet. Noch nie länger für ein Werk gebraucht – sieben Monate. Weggelegt, unterbrochen, ersetzt, daran erinnert, vergessen und dennoch immer wieder regelmäßig aufgeschlagen. Durchhaltewillen, nennt man es bei Langstreckenläufern. Ja, dieser Willen war vonnöten, unbedingt. Auf der Zielgeraden angekommen, richtet man die Arme nach oben und weiß: Das, was Du da getan hast, war trotz aller Ermüdung und Zweifel nicht umsonst. Ähnlich verhielt sich mit »Archipel Gulag«, verfasst vom Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn (*1918 – †2008), der darin ausführlich die Folgen des Stalinismus beschreibt – möge sich Vergangenes nicht wiederholen. Ich denke, während ich diese Zeilen schreibe, an meinen Uropa. Der einsaß, für nichts und wieder nichts, weil er irgendwas gesagt haben soll. Ich denke an seinen Cousin, den ich zwar nicht gekannt habe, der aber für einen Stalin-Witz im Kolymagebiet schuften musste.

Alexander Solschenizyn - Der Archipel Gulag

Schrieb ich noch jüngst, dass Russland seine Vergangenheit scheinbar nicht aktiv bewältigen möchte und die Schandtaten der früheren Amtsinhaber nicht aufarbeitet, gibt es jetzt Bewegung: in Moskau hat nun ein neues Gulag-Museum eröffnet (siehe hier und hier), das hilfreich für die Aufarbeitung sein soll und dies entkräftet. Man kann sich aber auch alternativ literarisch mit »Archipel Gulag« beschäftigen, um zu erfahren, was unter Stalin vor sich ging. Solschenizyn selbst war ein politischer Häftling und überlebte die Todesinseln, die Konzentrationslagern dienten, nur mit sehr viel Glück.

Er fängt damit an, zu beschreiben, was das Ende der 1930er in der Sowjetunion bedeutet. Mit der Entladung und Registrierung der Verhaftungen kommt der Staat in seinen Gefängnissen in der Lubjanka oder Butyrka nicht mehr nach. Die Zellen sind voll, voller geht es kaum und doch kommt immer wieder Nachschub. Die Regentonne ist bis zum Rand gefüllt, es schüttet dennoch von oben weiter.

Gefürchtet wird ein nur allzu häufig ausgesprochener Paragraph: »Es gibt unter der Sonne wahrlich kein Vergehen, keine Absicht, keine Tat und keine Tatlosigkeit, die nicht vom gestrengten Arm des § 58 erreicht und gestraft werden konnte.« Denn da »wo ein Gesetz ist, da findet sich auch das Verbrechen«. Die Obrigkeiten müssen nur suchen, bis sie etwas finden – und sie finden bestimmt, während sie auf ein Geständnis hinarbeiten. Foltermethoden sorgen dafür, auf kurz oder lang, nach reichlich Schlafentzug und anderen Stichen knicken alle ein:

So einfach ist das gekoppelt: Wenn Anklage um jeden Preis erhoben werden soll, sind Drohungen, Gewalt und Folter unvermeidlich; und je phantastischer die Anklage ausfällt, desto härter muss die Untersuchung sein, um ein Geständnis zu erzwingen. Da es aber fabrizierte, erfundene Fälle immer gab, hat es auch Zwang und Folter immer gegeben, mitnichten erst als Bestandteil des Jahres 1937. (S. 104)

Jeden endgültig zu brechen und endgültig zu vereinzeln – darin besteht beim § 58 die Aufgabe der Untersuchung. (S. 475)

Abkürzungen wie KRD/KRM (Konterrevolutionäre Tätigkeit/Denken), PSch (Spionageverdacht), bis hin zu SOE/SWE (Sozial-gefährliches Element/-schädliches Element) verdeutlichen: mindestens einen Grund wird es für eine Verhaftung geben, alles nur Auslegungssache. »Das klassische Sprüchlein des Spießers jener Jahre: ›Irgendwas wird daran wohl gewesen sein … Bei uns sperrt man keinen umsonst ein‹.« Eine Lösung, wenn die Staatsmacht dich im Auge hat, gibt es: Selbstmord. »Verhaften ließ sich, wer leben wollte. Und aus einem, der leben will, kann man Teig kneten!«

So werden Unschuldige wie die Karnickel beseitigt, bekommen den »Zehner« aufgedrückt, manchen ergeht es besser, wenn die Haftdauer (erst mal) nur auf zwei bis drei Jahre festgelegt wird. Die Urteile klingen dabei routiniert, als ob die Strafe mit einer Woche Hausarrest zu vergleichen wäre, weil sie in aller Regelmäßigkeit so ausgesprochen werden, mehr als nur Umerziehungsmaßnahmen sind – auf Zerstörung aus sind.

Von den Gefängnissen folgt irgendwann der Transport, mit Zügen (Stolypin genannt) werden die Staatsverbrecher und Sklaven verteilt, auf die »verwunschenen Archipels«. »Mit einem Mal sind alle vertrauten Gewohnheiten des menschlichen Umgangs geborsten und in Trümmern.« Die Wachmannschaft nervt das Austreten, der Durchfall, also gibt es weniger Wasser und Essen. Politische und kriminelle Häftlinge werden vermischt. Die kriminellen besitzen einen Sonderstatus, sie rauben die politischen aus und liefern die Ware weiter an die Aufseher – Hand in Hand. Unterschiedliche Ströme werden auf die Inseln gespült: Geistliche, Lehrer, Historiker, Intellektuelle, Emigranten – auch Kriegsgefangene der Nazis, die ja Spione sein könnten, werden vom KZ Buchenwald direkt weiter nach Sibirien verfrachtet.

Solschenizyn geht auch weiter und versucht, herauszustellen, warum dieses System derartig reibungslos funktionierte: »Um Böses zu tun, muss der Mensch es zuallererst als Gutes begreifen oder als bewusst gesetzmäßige Tat.« Die Ideologie ist es, die als Rechtfertigung dient, wie bei den Nazis und der Rasse, oder den Inquisitoren. Eine zu einfache Entschuldigung, die niemals ausreichen kann. Und dennoch werden sie hinterher keineswegs bestraft wie die deutschen Mörder zu dieser Zeit.

Und was bleibt uns? … Irgendwann werden unsere Nachfahren manche aus unserer Generation als Generation von Schlappschwänzen bezeichnen: Zuerst ließen wir uns wie Lämmer zu Millionen misshandeln, dann hegten und pflegten wir die Mörder bis in ihr glückliches Alter. […]

Wir wollen ja auch großmütig sein, wir werden sie nicht erschießen, wir werden sie nicht mit Salzwasser vollschwemmen, nicht mit Wanzen bestreuen, nicht zur »Liegewaage« aufzäumen, nicht schlaflos sie eine Woche lang strammstehen lassen, weder mit Stiefeln sie treten noch mit Knüppeln sie prügeln, noch mit Eisenringen ihren Schädel quetschen, auch nie wie Postsäcke sie in eine Zelle schichten, einen über den anderen – nichts von dem, was sie getan! Aber wir sind unserem Land und unseren Kindern verpflichtet, ALLE ZU FINDEN UND ALLE ZU RICHTEN! Nicht so sehr sie zu richten als vielmehr ihre Verbrechen. Zu erreichen, dass jeder von ihnen zumindest laut ausspricht: »Ja, ich bin ein Mörder und Henker gewesen.« (S. 175)

In diesen ganzen Darstellungen, die man erst mal schlucken muss und sich irgendetwas ins Herz bohrt, legt der ehemalige Insasse Zeugnis ab. Sein Buch ist eine harte Nuss, nicht nur inhaltlich, sondern vor allem stilistisch. Solschenizyn beschreibt zahlreiche Einzelschicksaale, die er durch Gespräche gesammelt hat, Prozesse, weil sie »äußerlich Maulwurfshügel sind, wohingegen sich die hauptsächlichen Wühlarbeit unter der Oberfläche vollzieht«, Gerichtsgeschichte, andere historische Vergleiche. Das alles ist schwer zu lesen, weil es unglaublich detailliert ist, fast wissenschaftlich durch die Fußnoten und Recherchearbeit wirkt. Vielmehr ist es eine Anklageschrift voller Fakten, die nicht alle behalten werden können und die mit zynischen Kommentaren verbunden sind. Was aber hängen bleibt, bleibt hängen: »Wenn wir die Millionen zählen, die in den Lagern zugrunde gingen, vergessen wir, mit zwei, mit drei zu multiplizieren …«

All jenen gewidmet,

die nicht genug Leben hatten,

um dies zu erzählen.

Sie mögen mir verzeihen,

dass ich nicht alles gesehen,

nicht an alles mich erinnert,

nicht alles erraten habe.

Es ist nahezu unmöglich, dieses historische Hauptwerk in einem Rutsch durchzublättern. Dafür ist dieses unglaubliche Dokument zu dicht, mit zu vielen Verweisen versehen und vor allem als Chronik zu wertvoll – es hat Zeit und einen klaren Kopf verdient, muss reifen wie mit ihm der Leser, der gleichzeitig selbst zum Zeugen wird und froh darüber ist, dass er das, was er denkt, fühlt und meint, aussprechen darf. Ohne Hemmungen. Ohne Strafe. Ohne den Paragraphen 58.

[Buchinformationen: Solschenizyn, Alexander (1974): Der Archipel Gulag. Scherz Verlag Bern. Aus dem Russischen von Elisabeth Markstein (damals noch unter dem Pseudonym Anna Peturnig). Titel der Originalausgabe: Архипелаг ГУЛАГ (1973)]

[Anmerkung: Ich habe diese Ausgabe gelesen, die noch zu einen der ersten gehören sollte. Wikipedia sagt: »Später wurde daraus eine dreibändige Ausgabe, die in sieben Teile gegliedert ist. Band 2 und Band 3 wurden 1975 beziehungsweise 1978 veröffentlicht. 1985 erschien außerdem eine gekürzte, einbändige Gesamtausgabe, die vielen als leichter lesbar gilt.«]

19 thoughts on “Alexander Solschenizyn – Der Archipel Gulag

  1. Ich kann mir vorstellen, dass du das Buch immer wieder weg legen musstest. Ich habe es nicht geschafft, die Lektüre wieder aufzunehmen. Es ist wirklich kein rühmliches Stück Geschichte, in dem mit Menschen so verfahren wird. Ich wünsche mir und allen, dass es momentan keinen Paragraphen 58 gibt und nie geben wird. Und ich halte diejenigen, die das überlebt haben nun wahrlich nicht für Schlappschwänze. Und auch die nicht, die es durch irgendwelche Finten geschafft haben, diesem Irrsinn zu entgehen. Vielen Dank für diesen düsteren Einblick, in ein Buch, vor dem ich herumstreiche wie eine Katze.

    • Wie bereits festgehalten: Es war tatsächlich eine langatmige und zähe Angelegenheit, die eher niederschmetternd und alles andere als ein Lese-Spaß war, inhaltlich und stilistisch gesehen. Letztlich mache ich einen Hacken dahinter und bin froh, Ausdauer bewiesen zu haben.

  2. Hut ab, dass du das durchgehalten hast. Ich hab schon den „Tag im Leben des Boris Denissowitsch“ nicht geschafft und deshalb gleich auf den dickeren Wälzer verzichtet. Vermutlich ist die Überdosis KZ-Literatur schuld, die uns im Osten die Schule vor 89 verpasst hat. Wenn man vom Gulag liest, dann hat man automatisch diese „Nackt unter Wölfen“- und „7te Kreuz“- Deja vues.
    Einzig Robert Merle „Der Tod ist mein Beruf“ kam noch „freiwillig“ gelesen dazu, weil es diese verblüffend-irritierende Täterperspektive hat.

    • Andere Holocaust-Literatur ähnelt sicher diesem Werk. Wenn es auch mehr als politischer Angriff verstanden werden kann. Die Schilderungen der Gulags sind, zumindest in dieser Ausgabe, ehe der kleinere Teil. „Iwan Denissowitsch“ ist ja zumindest von der Seitenzahl dagegen ein Klacks, das hab ich mir aber auch noch vorgenommen.

      „Der Tod ist mein Beruf“ kommt auf die Liste. Scheint ja mit „Eichmann in Jerusalem“ vergleichbar zu sein. Da hab ich aber nicht mal das superlange Vorwort geschafft und bin ausgestiegen …

    • Danke für die zwei interessanten Links.

      Ich habe „Archipel Gulag“ vor allem nur als Text gelesen und mich nicht sonderlich mit dem Autor selbst beschäftigt, um ihn da richtig einordnen zu können. Deine Einwürfe machen mich stutzig. Es ist für mich einfach unvorstellbar, dass so ein dichtes Werk mit all den ganzen Fakten, Infos usw. (frei) erfunden sein kann. Im Grunde ist es ja momentan auch ziemlich populär, solche Verschwörungen zu formulieren. Jeder sowjet- oder russland-kritische Schriftsteller scheint ja, laut den Sozialen Medien, von den Amis gekauft worden zu sein. Auch von Swetlana Alexijewitsch wird das behauptet …

      Gänzlich überzeugt davon, was du da schreibst, bin ich auf dem ersten Blick nicht. Es benötigt eine ziemlich aufwändige Forschungsarbeit, um herauszufinden, zu welchen Akten Solschenizyn damals überhaupt Zugang gehabt haben könnte und wie er an seine Infos gekommen ist. Da reichen mir ein paar Quellen in einem Blogeintrag nicht aus. Möglich ist aber alles!

      • Man kann die Quellen sehr leicht prüfen, indem man sich das Nazi-Heft „Die größte Sklaverei..“ besorgt. Absolut vertrauenswürdig ist u.a ein Zeitzeuge, nämlich Dean Reed, der damals in der Sowjetunion Asyl gefunden hatte und Solzhenizyn kannte. Fälschungen haben die Nazis massenweise begangen, um ihre Schandtaten zu vertuschen, so auch im Falle von Katyn. Daß Solzhenizyn nicht allein der Urheber seines Lügenbuches war, dafür spricht auch die Tatsache, daß er mehrfach konspirative Kontakte zu Westagenten hatte.

        Und Sozhenizyn wurde, als er in den Westen reisen durfte, von H.Böll empfangen, der nachgewiesenermaßen CIA-Agent war.(http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10368). Das wird man in Wikipedia sicher nicht lesen können, da auch diese Plattform manipuliert wird. Der CIA hat ganz bewußt in den 60er Jahren linke Künstler über fiktive Stiftungen unterstützt, um in die frz. und dt. linke Kulturszene eindringen zu können, was dann auch gelang, da viele gar nicht wußten, woher das Geld kommt.

        Und Sozhenizyn ist kein Einzelfall. Auch Sacharow und später Kasparow waren solche „Experten“ (oder besser: käufliche Ganoven). Die Bücher von Solzhenizyn jedenfalls erlebten im Westen eine Rekordauflage. Das war für den Tatsacheschriftsteller Harry Thürk, der sich mit Geheimdienstinformationen bestens auskannte, Veranlassung zu seinem berühmten Buch „Der Gaukler“, in dem – freilich unteranderem Namen (Wetrow) – der kriminelle Charakter dieses russichen Lügenbarons dargestellt wurde. Heute werden solche Gestalten wie Solzhenizyn u.a. von Lügen-„Historikern“ wie Roj Medwedjew in höchsten Tönen gelobt.

        Also es lohnt sich nicht, dieseen antisowjetischen Dreck zu lesen. Gulags gab es – und es waren Arbeitslager mit tw. schwerster Arbeit in erster Linie für kriminelle Elemente, Schwerverbrecher, Diebe, Mörder usw. zum Erziehung durch Arbeit…

  3. Das Gulag in erster Linie für Assis? Soso.

    Ein paar Millionen Kulaken, deren einziges Verbrechen es war, gute Bauern gewesen zu sein;
    – ein paar tausend zivile Ostpreußen 1945-46,
    – Ruth Werner, Hans Günther, Mutter Leonhardt … die Angst ging um unter den Exilanten im Moskauer Hotel Lux 1933-45…

    Selbst Brecht hatte soviel Schiss vor Stalins Lagern, dass er sich kaum wagte, per Bahn durchs gelobte Sozialismusländle zu reisen, um von Finnland nach Kalifornien zu gelangen.

    Alles Schwerverbrecher und Abweichler?

    Workuta vielleicht nur ein Luftkurort für heuschnupfende „Umschüler“ aus der Landwirtschaft?

    Hier mal noch ne Zweitmeinung zum „Gaukler“ vom Thürk:

    http://www.zeit.de/1979/20/rote-kolportage

    • Was hier teilweise geschrieben wurde, geht meines Erachtens schon stark in Richtung Verleumdung, Verharmlosung, Tatsachenverdrehen und Schönreden. Keine Ahnung, wer Solschenizyn eigentlich war … aber dass Gulags nur für Verbrecher gewesen wären, ist doch absoluter Blödsinn, der nicht mehr tragbar ist. Da sind wir uns hoffentlich alle einig!

      • Genau. Das Schlimme bei derlei geschickt gemachten Relativierern ist, dass da immer Halbwahrheiten vermurkst werden. Da wird das Pferd von hinten aufgezäumt. A story backwards told.
        Dass irgendwann in der Laufbahn von Dissidenten sich die feindlichen Geheimdienste via Stiftungs-Hilfsgeldern einschalten und für schützende/rettende Berühmtheit des Falles Solshenyzin/Sacharow/Bahro/Krawczyk sorgen, ist logisch aber NIE der erste Schritt.

        Am Anfang steht also immer erstmal eine mutige Thorheit in Einzelregie und wenn dies eine Tat war, die ein gewisses intellektuelles Niveau hat, dann fangen eventuell manche Geheimdienste an, Verbindungen aufzunehmen, Videoausrüstung einzuschleusen usw.

  4. Vielen Dank für Deine Vorstellung, die für mich „Archipel Gulag“ auf meiner persönlichen Wunschliste wieder ein Stück weiter emporklettern lässt!

    Ungeachtet der Frage, was daran Wahrheit und was Dichtung ist, stellt das Werk einen bedeutenden Beitrag zur Aufarbeitung der stalinistischen Schreckensherrschaft dar. Dass Wladimir Putin ein Buch zur Pflichtlektüre im Schulunterricht ernennt, das amerikanischer Propaganda entstammen soll, halte ich für wenig wahrscheinlich. Umso trauriger wird dadurch allerdings die Tatsache, dass dieses verordnetes Lesen ohne die daraus zu ziehenden Schlüsse wirkungslos verpufft.

    Literatur kann eben nur Anstöße geben.

    • Guter Einwand, mit der Schullektüre. Das wäre natürlich absoluter Quatsch, wenn in Zeiten wie diesen, in denen die Fronten stark verhärtet sind, ein derartig verfälschtes Buch vermittelt wird.

      Wie ist das mit den zu ziehenden Schlüssen gemeint? Ist mir nicht ganz schlüssig …

      • Trotz aller Distanzierung zum stalinistischen Gulag sind Arbeitslager leider immer noch russischer Alltag. Siehe Chodorkowski, siehe Pussy Riot…

      • Wobei – wenn man sich über Chlorodontowski und/oder Pussy Riot mal im Netz kundig macht – ist deren Helden-Potential schwups „verpufft“ (sogar fast im Wortsinn 🙂 )
        Ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass Haftbedingungen in Russland immernoch seeeehr weit weg von westeuropäischen Maßstäben sind.

      • Nur weil sie hierzulande als Arbeitslager bezeichnet werden, haben sie jedoch nichts mit denen aus dem Stalinismus zu tun, die mehr KZs ähnelten. Davon abgesehen: Wo stimmen denn die Haftbedingungen, wenn nicht gerade ein Promi eingebuchtet wird? In Westeuropa? Auch dort nicht, wenn man mal mit wem gesprochen hat, der einsaß und ebenfalls von Korruption berichten wird. In Guantanamo? In Arabien? In der Türkei? In Südamerika? Zweifelhaft!

        Chodorkowski ist sicherlich kein Kind von Traurigkeit. Im Westen wird er gerne als ein Engel bezeichnet, mit dem nur so umgegangen wird/wurde, weil er ein Oppositioneller und Putin-Gegner war. Im Grunde hat er sich wie viele andere die Taschen vollgeschlagen, als Jelzin die Privatisierung einführte und dadurch Staatseigentum in seine Hände gewandert sind. Auch sonst reicht ein wenig Recherche, um zu zeigen, dass Chodorkowski sicherlich kein Opfer sondern ein Täter ist. Und, ja, mit Pussy Riot ist man vielleicht etwas zu hart umgegangen, wollte wohl ein Exempel statuieren …

      • Ich meinte mit westeuropäischen Haftbedingungen eher Zellenausstattung, Vollzugspläne und Umsetzung, Bearbeitung von Anträgen auf Hafterleichterung oder Haftzeitverkürzung usw.
        Dass es trotzdem in allen Knästen weltweit korrupt zugeht, eine Häftlings-Hackordnung existiert und eh die Rückfallquoten exorbitant hoch bleiben, ist davon unbenommen.

      • Ich möchte weder über die Rechtschaffenheit von Herrn Chodorkowski noch über die von Push Rot urteilen. Ebenso wenig möchte ich die angebliche Fortschrittlichkeit westlicher Haftbedingungen preisen.

        Wenn eine Nation allerdings eine Aufbereitung der stalinistischen Schreckensherrschaft im Unterricht per Lektüre anordnet und dennoch am Typus Arbeitslager festhält, finde ich persönlich das befremdlich und wenig konsequent.

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