Das war die LitBlog Convention

Am vergangenen Samstag war es soweit: Zum ersten Mal fand die »LitBlog Convention« statt. Fünf Kölner Verlage (DuMont Buchverlag/Kalenderverlag, Egmont LYX/ INK, Kiepenheuer & Witsch und Bastei Lübbe) haben diese eigens für Menschen, die über Literatur bloggen, initiiert. Wollten sich, ihre Arbeit hinter den Kulissen und Autoren in der Schanzenstraße vorstellen. Das bunte Programm, aus dem gewählt werden konnte, sorgte dafür, dass jeder etwas für sich – nicht nur Goodie Bags – mit nach Hause nehmen durfte.   

LitBlog Convention

So sammelte Vea Kaiser im Gespräch mit Reinhold Joppich (»Hallo, ich bin Rentner!«) gleich Sympathiepunkte. Die Österreicherin erzählte von ihrem Heimatkaff (»dort gibt es mehr Geflügel als Menschen«), das in ihrem Debüt »Blasmusikpop« verankert ist. Von einem Tanz mit Denis Scheck in Frankfurt, als sie ordentlich verkatert war, dafür aber auf die Zähne biss. Sie erläuterte, wie alles mit der Literatur begann, wie sie in Hildesheim Kreatives Schreiben studieren wollte, jedoch reichlich Kulturschocks in Kauf nehmen musste, um festzustellen, dass das für sie – als kritikunfähige Person – nichts war. Wie sie durch das Open Mike, das sie als Gala-Abend verstand, entdeckt wurde und schließlich zu einer Bestseller-Autorin aufstieg. Ein Kind von John Irving wolle sie und weiß, wo sich jedes Tattoo auf dem Amerikaner befände. Außerdem steht sie auf Gabriel José García Márquez, Joseph Roth, überhaupt auf »fette Schinken«. Und dann verriet sie auch, was ihr nächstes Projekt nach »Makarionissi« werden wird: Mit der Antike, so viel darf festgehalten werden, wolle sich die Altgriechisch-Studentin noch intensiver beschäftigen. Diese Frau trägt das Herz auf der Zunge, das wurde nicht nur bei diesem ersten Programmpunkt deutlich, sondern auch im Verlauf des Tages/Abends.

Vorher ging es jedoch erst zu Aleksandra Erakovic, die für die Abteilung Rechte und Lizenzen bei KiWi verantwortlich ist. Bei großen Buchmessen fühle sie sich wie eine Marathon-Läuferin, ihr Terminkalender platze. Sie klärte über ihre Arbeit auf, hielt fest, dass es schwierig sei, dicke Wälzer wie Maxim Billers »Biografie« dem Ausland schmackhaft zu machen. Dann legte sie den Fokus auf Cover und demonstrierte an einigen Beispielen, wie hochgradig merkwürdig die internationalen Gestaltungen aussehen können.

Im Anschluss luden Autorin, Übersetzerin Isabel Bogdan und Lektorin Helga Frese-Resch ein. Erneut wurde deutlich, wie wenig Respekt Übersetzer erhalten und nur dann erwähnt werden, um auf irgendwelche Fehler bei der Übertragung hinzuweisen. Wer für die schöne Sprache verantwortlich sei, werde häufig ausgeklammert, meinte Isabell Bogdan. Zwischeninstanzen wären für das Publikum eher uninteressant. Dabei gelinge eine Übersetzung nur dann, wenn sie handwerklich »sauber« und flüssig klinge. Voraussetzung dafür: Das Original muss dem Übersetzer selbst gefallen. Andernfalls mache es keinen Sinn, so die Lektorin. Aufschlussreich war ebenso die Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen Lektorat und Übersetzung. Auf Papier – ja, ja Digitalisierung – werde für den finalen Check nichts mehr ausgedruckt. Alles passiere am Rechner bei Word, da kann es auch mal vorkommen, dass die Schriftart verändert wird, um Fehlern aufzulauern. Zu guter Letzt schaute ich noch kurz bei Frank Schätzing vorbei, der mit seinem »Buddy«, KiWi-Verleger Helge Malchow, über das Bestseller-Rezept sprach.

Ganz ehrlich, am Anfang war ich noch etwas skeptisch, als mir das Konzept der »LitBlog Convention« auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde. Nicht sicher, ob ich tatsächlich zur Zielgruppe angehöre. Die Zweifel waren umsonst – eine runde Sache war es. Ausdrücklich erwünscht: eine Zugabe.

10 thoughts on “Das war die LitBlog Convention

  1. Ist ja interessant. Heute war ein Artikel in der FAZ darüber und da klang das ganz anders. So wie du das beschreibst, klingt das wesentlich interessanter.

      • Ups, das war wohl etwas missverständlich ausgedrückt. Das Event fand in Köln statt, nicht in Hamburg. Dort gibt es auch so etwas wie ein Schanzenviertel in Mühlheim!
        😉

      • Sorry, typischer Tunnelblick für Hamburg. Dann waren der Park und das Event ein paar Straßen und 500 km von einander entfernt. aber wer weiß, vielleicht wird im Hamburger Schanzenviertel auch mal was für Buchblogger veranstaltet. Würd mich nicht wundern. Da kenn ich ein Lokal, wo man gut Fisch essen kann…

  2. Pingback: #netzrundschau 06/2016 | SchöneSeiten

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