David Wagner – Sich verlieben hilft

Ein bewundernswerter Typ scheint dieser David Wagner, der für »Leben« 2013 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, zu sein. Er reist und liest viel, interessiert sich für Neues und Altes. 15 Texte von ihm lassen sich in diesem roten, auffallenden Leineneinband finden: Essays über gelesene Werke, Bibliotheken, Orte und Serien. Bibliophile werden sich immer wieder gespiegelt sehen.

David Wagner - Sich verlieben hilft

Wagner schreibt von diesen Begegnungen, die wir alle kennen. Von manchmal zufälligen. Nicht immer ist es die Literaturkritik und der Tipp eines Buchhändlers, die dafür sorgen, dass man zu einem bestimmten Buch greift. Manchmal besorgt man es sich intuitiv, um es dann allerdings erst einmal verstauben zu lassen, gar zu vergessen. Um es dann allerdings auch irgendwann wiederzuentdecken und um gleich zu Beginn zu erfahren, dass es sich um ein wichtiges Buch handle. Wagner spricht von einem »inneren Lektürekompass«, einem »Büchernavigationsgerät, das auf geheimnisvolle Weise immer zu den passenden Druckerzeugnissen führt«.

Selbstkritisch äußert sich der Vielleser, wenn er bemerkt, dass er Bücher verschlingt und dass es einem Autor, der bei seiner Arbeit viel Schweiß verloren haben muss, möglicherweise nicht gerecht werde, es auf diese Weise zu tun. Dass man sich vielleicht doch noch etwas mehr Zeit nehmen sollte, aus Respekt und Anstand ihm gegenüber. Die Büchermassen und die unendlichen Entdeckungen hindern dennoch immer wieder derartiges Leseverhalten. Dieses Problem kann auch Wagner nicht umgehen, der begeistert seine Lektüren beschreibt. Der Leser wiederum notiert sich einige Titel mit. Mit dem erwähnten Emmanuel Carrère wollte ich mich ohnehin mal intensiver auseinandersetzen und werde es wohl bald mal realisieren. Auch stößt man auf bereits Bekanntes wie den »Roman mit Kokain« von M. Agejew und erinnert sich selbst an die eigenen, damaligen Leseerlebnisse. Wagner erwähnt ebenso dieses Problem bei der Wertung, wenn es keinen Abstand zum Schriftsteller gibt. Wie kann ich ein Buch neutral einschätzen, wenn ich gar für den Verfasser schwärme, eine persönliche Ebene vorhanden ist? Wie schaffe ich es, ihm nicht auf den Schlips zu treten und dennoch ehrlich zu sein? Die professionelle Literaturkritik kennt diese Gedanken und Erschwernis.

In Bibliotheken in Paris, Helsinki, Barcelona oder New York saß Wagner immer gerne und blätterte dort. Durch London, einer Stadt, von der er keine Ahnung habe, streift er, um sich bewusst zu verlaufen und Buchdeckel einfach irgendwo aufzuklappen. Es ist ein Genuss zu erfahren, wie Wagner seine Bücher mit den Plätzen und Orten verbindet. Man möchte doch gleicht selbst losziehen, den Rucksack packen und einfach drauf los, ungestört in bisher unbekannten Gegenden nur den Inhalt der vielen Seiten entdecken.

»Sich verlieben hilft« sorgt für unstrittigen Spaß. Man begleitet Wagner gerne bei seinen Reisen, genauso bei denjenigen, für die Bücher verantwortlich sind. Bis auf den Text über TV-Serien, ich selbst konsumiere diese nicht, unterhält diese Sammlung durch und durch. Zwar wurde alle Beiträge bereits an anderer Stelle mal veröffentlicht, unter anderem in der Literaturkolumne des »Merkur«, und sind entsprechend nicht exklusiv. Aber hey, ich kannte vorher keinen einzigen, also juckts überhaupt nicht. Ansonsten kann man nur dem abgedruckten Satz auf der Rückseite des Buches zustimmen: »Ich lese und bin glücklich.« Glücklich war ich hierbei und hiermit auch.

Ich lese und bin glücklich

[Buchinformationen: Wagner, David (Februar 2016): Sich verlieben hilft. Über Bücher und Serien. Verbrecher Verlag. 144 Seiten. ISBN: 9783957321572.]

[Eine weitere Besprechung gibt es bei Literaturen.]

3 thoughts on “David Wagner – Sich verlieben hilft

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