Dennis Lehane – The Drop – Bargeld

Bereits mit »In der Nacht« hat Dennis Lehane, dessen Romane immer mal wieder Vorlagen für Filme wie »Shutter Island« sind, bewiesen, dass er nahezu ein Meister der Unterhaltung ist. Das schmale »The Drop« knüpft da an, eine Adaption wird ebenfalls auf den Leinwänden zu sehen sein. Nimmt man sich ein spannungsgeladenes Lehane-Buch vor, rast die Zeit, man steht unter Strom. »Mach jetzt langsam Schluss!«, ertönt die verschlafene Stimme meiner Bettnachbarin deutlich nach 1Uhr, die realisiert hat, dass ich erst aufhören werde, wenn die letzte Seite aufgeschlagen ist und mich nichts daran hindern kann. »Jaja, gleich!«

Dennis Lehane - The Drop - BargeldWas eine Drop-Bar ist? Eine Gangsterkneipe, die dazu dient, Geldwäsche zu betreiben. In ebenso einem Lokal arbeitet Bob Saginowski hinterm Tresen. Dieser ist ein eher schüchterner, religiöser und ein – so scheint es – harmloser Mann, der vergeblich auf die passende Frau wartet: »[…] denn das, was er sich wünschte, war das Ende seiner Einsamkeit – aber er wusste, dass es dafür keine Abhilfe gab.«

Doch dann überschlagen sich plötzlich die Ereignisse und es kommt Bewegung in Bobs schwermütiges Leben. Erst findet Bob einen verletzten Pitbull-Welpen in einer Tonne, den er aufnimmt, lernt dadurch Nadia kennen und dann wird die Schenke ausgeraubt. Die tschetschenische Mafia und Inhaber sowie Oberhaupt Chovka wollen natürlich sofort das Geld zurück, das Bob und sein Cousin Marv, der die Bar einst diesen Kriminellen überlassen musste, nun auftreiben sollen.

»Großstädte«, hatte sein Vater ihm einmal gesagt, »werden nicht vom Kapitol aus regiert«, sondern aus dem Keller. Stadt Nummer eins? Die, die man sieht? Das sind die Klamotten, die man anzieht, damit der Körper besser aussieht. Aber Stadt Nummer zwei ist der Körper. Da werden die illegalen Wetten abgeschlossen, da werden Frauen und Rauschgift verkauft, und die Fernseher und Sofas und das ganze Zeug, das ein einfacher Arbeiter sich leisten kann. Von Stadt Nummer eins hörst du als Arbeiter nur, wenn sie dich verscheißern. Aber Stadt Nummer zwei, die umgibt dich dein ganzes Leben lang jeden Tag.« (S. 58)

Dennis Lehane – The Drop - MovieNach und nach deckt Lehane auf, was sich tatsächlich hinter Bob verbirgt und dass er es eigentlich auch faustdick hinter den Ohren hat. Daneben taucht ein Irrer auf, Nadias Ex-Freund, der ihn bedroht. Ein Polizist, Bob trifft ihn bei seinen Kirchgängen, ermittelt immer noch an einem gewissen unaufgeklärten Mordfall – der Tote wurde zum letzten Mal in der Drop-Bar gesehen und hofft durch eine Aufklärung wieder auf der Karriereleiter zu klettern. Auch mit dem verbitterten Cousin Marv scheint etwas nicht zu stimmen …

Zwar wirkt die Geschichte zwar manchmal doch zu arg konstruiert und an manchen Stellen unpassend kitschig, im Gesamten allerdings recht schlüssig und wohldurchdacht. Lehane schafft es wieder einmal, ein düsteres Boston zu zeichnen. Außerdem lässt er die Kirche und den Glauben mit einfließen, was mich etwas an den Film »Der blutige Pfad Gottes« erinnern ließ. Nicht zu verachten, die psychologischen Details, die dem erfolgreichen Autor besonders gelungen sind. Zudem endet der Thriller überraschend.

»The Drop« ist ein kurzweiliges Vergnügen, insbesondere für Liebhaber von rauen, harten Gangster- und Mafia-Geschichten. Dennis Lehane bleibt seiner Linie als hervorragender Entertainer treu. Mein Tipp: Früh genug mit Bob und der Bar beginnen. Ansonsten droht ein reduzierter Schlaf. Spreche aus Erfahrung.

[Buchinformatione: Lehane, Dennis (November 2014): The Drop – Bargeld. Diogenes Verlag. Aus dem Amerikanischen von Steffen Jacobs. 224 Seiten. ISBN 978-3-257-06915-0]

[Weitere Rezensionen zu »The Drop« bei masuko13, Günter Keil und leseschatz.]

10 thoughts on “Dennis Lehane – The Drop – Bargeld

    • Meiner auch nicht, allerdings geht Lehane immer! Und die Ruhe zur Geisterstunde möchte ich am liebsten doch häufiger um mich spüren, während die Seiten mechanisch umgedreht werden.

  1. Shutter Island war ein toller Film, bin eigentlich kein großer Krimi-Fan, aber seit dem denke ich, ich sollte mal etwas von Mr Lehane lesen irgendwann (oder ich schaue den Film im Kino, hmm – Noomi Rapace) – vielleicht beides. Schlaf opfern und ins Kino gehen 🙂

  2. In dem Fall war der Weg sogar etwas anders: Es gab einen angefangen Roman, aus dem dann eine Kurzgeschichte („Animal Rescue“) wurde, die wiederum Grundlage des Drehbuchs zu „The Drop“ ist und dann zum Schluss den Roman.

    Mir hat er auch gut gefallen, obwohl ich den Film vorher gesehen habe. Aber der Roman vertieft noch einmal die Charaktere – während mich beim Film vor allem begeistert hat, wie viele Geschichten ein einzelnes Bild erzählen kann. (Und Tom Hardy ist großartig!)

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