Karsten Strack vom Lektora Verlag im Inteview

Karsten Strack ist so etwas wie ein Tausendsassa. Seit 2003 leitet er den Paderborner Lektora Verlag, der sich auf Poetry-Slam spezialisiert hat, gibt Workshops an Universitäten oder Schulen, lektoriert, veranstaltet regelmäßig Slams, ist selbst Slammer und war schon einmal Kneipenwirt, der hinter der Theke die verantwortungsbewusste Aufgabe hatte, Bier zu zapfen. Mit dem sympathischen und stets gut aufgelegten Verlagsgründer habe ich mich im vergangenen Sommer zusammengesetzt. Entstanden ist ein Gespräch über die Verlagsarbeit, darüber was passiere, wenn Günter Grass anklopft, wie wichtig Blogs sind und unter anderem wie sich Poetry-Slam-Texte in Buchform übertragen lassen.

Karsten StrackBis auf einige Ausnahmen veröffentlicht der Lektora Verlag fast ausschließlich Bücher von Autoren, die im Poetry-Slam beheimatet sind. Dabei bedient ihr euch einer Nische. Was hat das für Vorteile?

Wir sind der größte deutschsprachige Poetry-Slam-Verlag. Die anderen Verlage, die ihren Fokus darauf richten sind kleiner und die großen Publikumsverlage wie Carlsen oder Ullstein geben lediglich ein paar Poetry-Slammern eine Plattform. Wir dagegen haben 40, 50 Autoren im Portfolio, die in diesem Segment unterwegs sind. Zudem produzieren wir regelmäßig Anthologien.

Der große Vorteil ist, dass die Autoren genau wissen, was wir publizieren und das macht die Akquise leichter. Wir bekommen fast ausschließlich Werke von Autoren, die mit Poetry-Slam verbunden sind. Das macht es für uns einfacher, programmatisch die relevanten Sachen herauszufiltern. Außerdem haben wir einen Vorteil im Vertrieb und Marketing. Mittlerweile kennt man uns auch in der Journalistenszene als Poetry-Slam-Verlag.

Wenn jemand allerdings überhaupt nichts mit Poetry-Slam am Hut hat, wird er folglich kaum etwas von euch kaufen. Das kann demnach als Nachteil gesehen werden, oder?

Genau. Wir sprechen ein nicht besonders breites Publikum an und sind somit ein Publikums-Nischen-Verlag. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass jemand mit Poetry-Slam-Texten, Kurzgeschichten oder lyrischen Sachen einen Bestseller landet. Das kann zwar passieren und das hoffen wir natürlich auch – kleine Bestseller sind unseren Autoren bereits gelungen. Aber im Prinzip ist es so, dass wir nicht dafür bekannt sind, große historische Romane zu veröffentlichen. Verlage, die da ein Standing haben, erreichen natürlich auch andere Verkaufszahlen. Ebenso Verlage, die am Markt mit sehr etablierten Autoren unterwegs sind. Wenn wir Günter Grass verlegen würden, würden wir sicherlich auch mehr verkaufen als von unseren Slam-Büchern. Du musst dann auch gar nicht mehr großartig etwas dafür tun, dass du viele Bücher von Günter Grass verkaufst, weil es mehr darauf ankommt, ob du sehr, sehr viele verkaufst oder nur sehr viele. Aber die Verlage, die Günter Grass publizieren, haben auch etwas dafür getan und ein Portfolio aufgebaut, an dem dieser Autor interessiert ist.

Ein unrealistisches Szenario, aber was wäre wenn … Günter Grass im Lektora Verlag veröffentlichen wollen würde?

Dann müssten wir wohl mit der Bank darüber sprechen, welchen Vorschuss Herr Grass gerne hätte. Zwar kenne ich die Zahlen nicht, die er verlangt, aber das würde auf jeden Fall mehrere Jahresetats unseres Verlags vollständig sprengen.

Aber würdest du aus wirtschaftlicher Sicht denn überhaupt Autoren, die potentielle Verkaufsschlager in der Feder haben, verlegen wollen, obwohl sie überhaupt nichts mit Poetry-Slam zu tun haben?

Das ist eine Gretchenfrage. Ich glaube, dass wir das zum heutigen Zeitpunkt nicht machen würden. Stattdessen würden wir sie weitervermitteln, was hin und wieder vorkommt. Uns erreichen ja auch Texte, die wir für gut halten, aber die nicht in unser Portfolio passen. Die wären bei uns allerdings verschenkt, da uns niemand außerhalb des Poetry-Slam-Geschäfts kennt und neben Büchern, die Autoren über andere Länder bei uns machen. Der Schwerpunkt liegt schon auf Poetry-Slam. Wenn wir einen klassischen Bestseller auf dem Tisch haben, dessen Autor nicht in der Poetry-Slam-Szene ist und mit dem wir sonst nichts zu tun haben, würden wir eher als Agentur auftreten. Wir würden ihn weitervermitteln und könnten auch eine kompetente Weiterempfehlung an einen Publikumsverlag geben. Das Werk würden wir dann gemeinsam mit dem Autor entsprechend ein bisschen runder machen.

Solche Dienstleistungen machen wir ohnehin mit zum Beispiel Wissenschaftsautoren und wir veröffentlichen im Prinzip auch auf fremden Namen in beispielsweise Wissenschaftsverlagen. Wir haben auch schon Bücher begleitet, die im Belletristik-Bereich unterwegs waren. Es gibt Deals mit anderen Verlagen und Institutionen, wo wir, sozusagen, vorgeschaltet sind. Wir machen ebenso zum Beispiel Bücher für Hochschulen, die wir dann bis zum Druck und Vertrieb betreuen. Das ist auch unser Broterwerb. Vom Verlag alleine könnten wir auch nicht leben und deswegen ist es wichtig, dass wir diese Dienstleistungsaufträge machen. Und wir werden auch noch sehr lange zweigleisig fahren, weil uns das viel Spaß macht.

Aber im Endeffekt erntet doch der größere Verlag am Ende eure Lorbeeren. Ist das nicht ungerecht?

Das würde ich so nicht sagen. Denn ohne den großen Verlag würde es erst überhaupt keine Lorbeeren geben. Das ist der entscheidende Faktor.

Ein Poetry-Slammer sollte es sich genau überlegen, wenn er zwei Angebote vorliegen hat, eins vom Lektora Verlag, eins von einem großen Verlag, welches er annehmen soll. Bis vor einem Jahr hätte ich gesagt, dass er das vom großen Verlag annehmen solle. Heutzutage haben wir ein Standing in der Szene, in der wir zusätzlich sehr präsent sind und dadurch über andere Möglichkeiten auch in der Werbung verfügen. Diese Perspektiven hat ein größerer Verlag nicht, weil er eben nicht Bestandteil der Szene ist. Auf einer übergeordneten Ebene kann er es natürlich dagegen besser vermarkten. Da liegen Unterschiede im Werbeetat.

Für uns sind dagegen Bestseller, wenn sich von einem Buch mehr als tausend Exemplare innerhalb eines Jahrs verkaufen. Im Gegensatz zu einem großen Verlag ist unsere Werbeetat natürlich kleiner und ein großer Verlag hat entsprechend einen deutlich größeren Topf, wenn er einen Bestseller herausbringen möchte. Ein großer Verlag, der nicht an einen Besteller glaubt, der investiert auch nicht mehr als wir. Das sind so generelle Unterschiede.

Mischa-Sarim Vérollet, der mittlerweile als Mischa Anouk unterwegs ist, hat zuerst bei euch etwas veröffentlicht und wurde danach von Carlsen verlegt.

Das war der erste Fall, dass einer von unseren Autoren von einem Großen entdeckt wurde. Karsten Strack 2Das ist auch üblich, da Carlsen ihm damals eine ganz andere Perspektive bieten konnte. Man hat auch sofort gemerkt, dass Mischa von seinen Büchern gleich mehr verkauft hat als bei uns. Interessant ist aber auch, dass Mischa danach noch ein kleineres Buch bei uns gemacht hat. Wir finden das auch nicht schlimm, dass einer unserer Autoren zu einem größeren Verlag wechselt. Natürlich tut es ein wenig weh. Man hat dann schon das Gefühl, dass der größere Verlag ein wenig von unserer Aufbauarbeit profitiert.

Man muss aber natürlich auch bemerken, dass die Poeten aus der Poetry-Slam-Szene sehr gute Selbstvermarkter sind. Wir profitieren natürlich auch von ihren Selbstmarketingqualitäten. Und es gibt tatsächlich immer größere Verlage, die Poetry-Slammer entdecken. Es wird nämlich ein weiteres Werbetool mitgeliefert und zwar der Autor selbst. Der ja ganz anders unterwegs ist, als, ich nenne es mal so, Wohnzimmerliteraten.

Wenn die besten Pferde im Stall wechseln, hast du da dennoch nicht ein weinendes Auge?

Ich habe ein weinendes und gleichzeitig lachendes Auge. Klar, hätte man das nächste Buch auch gerne gemacht. Aber das lachende Auge kommt dann hinzu. Denn wenn eine Veröffentlichung erfolgreich ist, wirkt sich das auf den Backkatalog aus. Das nützt uns auch.

Es ist ja nicht so, dass die Bücher schlecht werden. Man merkt auch, dass die Halbwertszeit von Kulturprodukten eine andere ist als die von Lebensmitteln. Ein Buch kann auch noch nach zwei, drei Jahren erfolgreich werden, wenn es davor mäßig lief. Bei einem Käsebrot ist es nicht so, da es nach drei Jahren wohl kein Renner mehr werden wird.

Was waren denn so bisher die absoluten Burner?

Momentan haben wir drei Burner und das ist schon unglaublich. Absolut an der Spitze steht das literarische Rätselbuch von Patrick Salmen und Quichotte »Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig.«, da haben wir innerhalb des ersten Verkaufsjahres fast 10.000 Exemplare verkauft. Das ist phänomenal, weil es uns alle überrascht hat. Die Autoren haben zwar geglaubt, dass es gut laufen könnte, dass es aber so gut lauft, das hat keine der Seiten gedacht. Das zweite literarische Rätselbuch erscheint entsprechend im Droemer Knaur Verlag.

Dabei waren wir erstmalig in der Lage bei diesem Buch mitzubieten und konnten den Autoren auch ein sehr gutes Angebot machen. Das Angebot von Droemer Knaur erschien ihnen allerdings noch etwas besser zu sein. Wir waren aber zum ersten Mal konkurrenzfähig in so einem Bereich. Das ist auch ein schönes Gefühl, wenn man sagen kann, dass das was wir machen, nicht lächerlich ist, sondern eine ernste Ansage.

Dann haben wir den Roman »Henry Frottey« von Jan Philipp Zymny und das Kurzgeschichtenband »Ein Kanake sieht rot« von Sulaiman Masomi, die sich mehr als ordentlich verkaufen und unterschiedliche Zielgruppen erreichen, fernab der Poetry-Slam-Szene.

Die Artikel zu den Veröffentlichungen, die uns erreicht haben, waren sehr nennenswert. Es gibt auch wunderbare Blogger, die über diese Bücher schreiben, was eine enorm wichtige Sache ist. Man darf niemals die Macht eines Blog unterschätzen! Gut frequentierte Blogs sind absolute Verkaufsträger, gar keine Frage. Wir haben auch Beiträge aus der Hochkultur erhalten, bei WDR2 sind gleich zwei unserer Werke zum Buchtipp des Tages gekürt worden. Das merkt man dann sofort an den Verkaufszahlen.

Wie viele Bücher bringt ihr denn überhaupt pro Jahr durchschnittlich raus?

Fünf bis zehn Bücher, die wir in unserem eigenen Portfolio machen.

Im Prinzip ist es dann doch unkomplizierter, Bücher von Poetry-Slammern zu veröffentlichen. Die Texte sind ja bereits für ihre Vorträge geschrieben und müssen nur gedruckt werden. Anders ist es dagegen, wenn jemand einen 400 Seiten-Roman anfertigen muss und den intensiven Schreibprozess noch vor sich hat.

Genau. Das Lektorat von Jan Philipp Zymnys »Henry Frottey«-Roman, das uns zwar in einem guten Zustand erreicht hat, war trotzdem erheblich aufwendiger als ein Buch mit Poetry-Slam-Texten. Da schrauben wir meistens auch gar nicht groß rum.

In einem Interview hast du mal gesagt, dass es bei einem Poetry-Slam-Vortrag gar nicht so sehr auf den Texte ankomme, sondern mehr auf die Performance und das Gesamtpaket. Wie bringt man diese Elemente in ein Buch ein?

Gar nicht. Das ist eine Frage, die wir uns schon seit Jahren stellen und wir haben mittlerweile aufgehört, nach einer Antwort zu suchen, weil sie nicht entscheidend ist. Wir werden Poetry-Slam in keiner medialen Form transportieren können. Entweder bist du beim Live-Erlebnis dabei oder du bist es nicht. Es gab Versuche, Hörbücher mit Poetry-Slam-Texten zu machen und wir haben gedacht, dass diese eventuell besser als die Bücher laufen könnten. Völliger Quatsch! Die CDs verkaufen sich wesentlich schlechter. Auch von befreundeten Verlagen, die mit DVDs experimentieren, weiß ich, dass sich das auch schlechter verkauft. Sinnvoller ist es natürlich, die Sachen gleichzeitig anzuhören und zu sehen – interessiert aber keinen.

Der Kulturwert eines Buches ist so hoch anzusiedeln, dass es in gedruckter oder digitaler Form einfach erfolgreicher ist. Problematisch ist natürlich, dass ich einen solchen Text, der sehr performativ ist, nicht besonders gut in einem Buch umsetzen kann. Jemand der einen Poetry-Slam-Autor bisher nicht live gesehen hat, wird den Wert dieses Gesamtpakets nicht erfahren können. Damit müssen wir leben. Der Transfer in das Medium Buch macht es zu einem kulturellen und fahrbaren Gut, fängt aber nicht ein, was auf einer Bühne veranstaltet wird. Das ist das Manko.

Letztendlich geht es für uns als Verlag aber natürlich auch darum, dass wir uns genau anschauen müssen, welche Art von Poetry-Slam-Literatur wir herausbringen wollen. Wir veröffentlichen äußerst selten lyrische Formen, weil sie meistens nicht für Bücher sondern nur für die Bühne konizpiert sind, während ganz viele Kurzgeschichten wunderbar in Büchern funktionieren. Andernfalls gibt es auch Texte, die die Autoren gar nicht für ihre Auftritte machen, sondern eben für Bücher wie zum Beispiel Romane. Wir versuchen dabei, die besonders guten Schreiber aus der Szene für uns zu gewinnen. Das ist ein entscheidender Faktor für uns. Wir machen aber auch ohne mentalen Druck Bücher von gerade jungen Autoren, die uns gut gefallen und von denen wir gleich wissen, dass die sich wahrscheinlich nicht so gut verkaufen werden. Wir gönnen uns das auch.

Kannst du dich eigentlich an deinen ersten Kontakt mit Poetry-Slam erinnern. Oft wirst du als Slammer der ersten Stunde bezeichnet.

Das ist absolut übertrieben. Mich kannte in dieser Szene kein Mensch, als ich in den 90er Jahren an Slams teilgenommen habe, weil ich nicht dabei geblieben bin. Ein paar Mal bin ich sporadisch aufgetreten, so fünf, sechs Mal innerhalb von zwei Jahren, als es gerade in Deutschland angekommen war. Ich hatte nebenbei noch andere Projekte, habe nebenbei Musik gemacht und Poetry nicht ganz so verfolgt. 2003 bin ich dann wirklich intensiv in die Szene eingetaucht und habe erst dann Kontakte geknüpft.

Wie das angefangen hat? Eine Freundin, die in Hamburg gelebt hat, meinte, dass es was für mich wäre. Dann bin ich einfach zu einer Veranstaltung gegangen und bin dort auch gleich aufgetreten. Das Niveau, wie es heute ist, war damals überhaupt noch nicht so hoch.

Was macht denn Poetry-Slam überhaupt für dich aus? Warum bist du derartig begeistert davon?

Es ist für mich Leidenschaft. Poetry-Slam ist Literatur in einer Performance- und sozialen Ausbau-Stufe, wie ich es aus keiner anderen Szene kenne. Sie ist für mich die angenehmste und sozialste Kunstszene, die es gibt. Im Musik-Bereich, der von viel mehr Neid durchzogen ist, geht es definitiv nicht so kollegial zu wie bei uns. Viele haben ein freundschaftliches Verhältnis untereinander. Die wichtigen Menschen in meinem Leben? Sie stammen entweder aus der Familie, sind Freunde, die nichts mit Poetry-Slam zu tun haben, und gibt es fünf bis zehn Leute aus der Szene, auf die ich mich hundertprozentig verlassen kann und mit denen ich gerne zusammen bin.

Man kennt und schätzt sich also innerhalb der Szene. Gibt es denn überhaupt keinen Ellenbogen?

Natürlich gibt es das auch, aber es ist auch ein Wettbewerb, zum Beispiel wenn es um die Verteilung von Workshops oder um die Durchführung von Veranstaltungen geht.

Wikipedia sagt, dass die deutschsprachige Poetry-Slam-Szene die zweitgrößte der Welt ist.

Es ist die größte. Auch weil es im Vergleich zu der amerikanischen unheimlich viele Meisterschaften gibt.

Karsten Strack 3Okay, wie lässt sich denn dieser Hype erklären? Welchen Anteil hat Julia Engelmann durch ihren Auftritt, der zahlreich geteilt wurde und in sozialen Netzwerken zum Hit wurde?

Ihr Text hat vielen Leuten unterschiedlicher Generationen aus der Seele gesprochen. Es ist für mich etwas überraschend, dass dieser Text als etwas Außergewöhnliches angenommen wurde. Es geht darum, dass man mit seinem Leben jetzt was anfangen solle, um nicht über verpasste Chancen nachzudenken. Das ist für mich ein klassisches Motiv, das sich, geboren bin ich 1968, durch meine ganze Adoleszenz gezogen hat. Aufgewachsen bin ich mit dem Geist der späteren 60er Jahre, habe Punk und No Future miterlebt. Es wurde ständig thematisiert und mir hing es total aus den Ohren raus. Jetzt erlebt es offensichtlich eine Renaissance.

Auf der anderen Seite performt Julia den Text unheimlich gut, sodass man deutlich sieht, was Literatur überhaupt kann. Das ist kein Wasserglas und Rotwein mit Leuten, die ihre Texte lesen, sondern lebendige Literatur. Es handelt sich bei Julia um einen klassischen Spoken-Word-Text, der für die Bühne konzipiert ist und dieser Text war paradigmatisch, um Poetry-Slam darzustellen. Ich gönne es ihr von Herzen und bin persönlich dankbar, dass dieser Text so eingeschlagen hat. Dadurch ließ sich ein Schub bei unseren Slam-Veranstaltungen feststellen, da saßen dann plötzlich 30 bis 50 Leute mehr im Publikum.

Abschließend musst du mir noch verraten, was du neben Lektora-Büchern noch liest!

Ich lese selbst nur noch punktuell und habe wahnsinnig viele nicht gelesene Bücher liegen. Es gibt aber Autoren, die lese ich immer. Von Charles Bukowski oder Philippe Djian lese ich alles, was auf dem deutschen Markt erscheint. Bei den deutschsprachigen tendiere ich zu Torsten Sträter, der auch aus dem Poetry-Slam kommt, aber nicht bei uns veröffentlicht. Sein Humor entspricht genau meinem, das beeindruckt mich sehr und ich habe all seine Werke mit Genuss gelesen. Schwierige und sperrige Literatur konsumiere ich ebenfalls, dafür brauche ich aber Zeit, um mich zu konzentrieren. Wenn jemand anspruchsvolle und wahnsinnig intelligente Literatur lesen will, empfehle ich Anne Duden. Sie ist einfach grandios. Für mich sind das Sprachkunstwerke, die durch ihre Brillanz, Intensität und dem Einfallsreichtum glänzen.

Natürlich lese ich darüber hinaus viele Sachen von Slammern. Ich glaube, dass »Henry Frottey« von Jan Philipp Zymny einer der bedeutendsten Gegenwartsromane der letzten 20 Jahre ist. Man mag mich für bekloppt oder für einen blöden Werbesprecher in eigener Sache halten, aber das ist meine eigene literarische Überzeugung und ich habe in den letzten 30, 40 Jahren zahlreiche deutschsprachige Gegenwartsromane gelesen. Zymnys Roman ist mutig, da würden so ältere Herren wie Martin Walser, wenn sie in der Geschwindigkeit und der Dichte schreiben würden, einen Herzinfarkt bekommen.

4 thoughts on “Karsten Strack vom Lektora Verlag im Inteview

  1. Ein sehr schönes Interview! Der Lektora-Verlag ist mir nicht unbekannt. Ich habe letztes Jahr Marian Heuser interviewt, dessen Buch „Seifen ändern dich“ im Lektora-Verlag erschienen ist (http://buecherstadtkurier.com/2013/07/09/marian-heuser/) Und das Buch „Dynamitfischen in Venedig: Texte, Gedichte und Eskalationen“ liegt hier und wartet darauf gelesen zu werden. Vielen Dank für den Blick hinter die Kulissen des Verlages! Liebe Grüße, Alexa

    • Tatsächlich muss ich an dieser Stelle offenlegen, dass ich bisher leider noch nichts vom Lektora Verlag gelesen habe, was sich aber schnell ändern muss, dafür regelmäßig dem sympathischen Karsten begegne – dadurch ist die Interview-Idee auch entstanden. Dein Gespräch mit Monsieur Heuser inspizierte ich gerade. Angesichts des Titels „Seifen ändern dich“ musste ich doch arg schmunzeln. 🙂 Bin gespannt, was du von den „Dynamitfischen“ hältst … Und im Gegenzug bedanke ich mich gleich für deinen Kommentar!

      Grüße zurück!

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