Nick Cave – Der Tod des Bunny Munro (Szenische Lesung)

Nick Cave - Der Tod des Bunny Munro Szenische -  Lesung 1Überdreht, aggressiv und voller Adrenalin läuft Bunny Munro ins Publikum des Paderborner Theaters. Der kraftvolle und Aufmerksamkeit erregende Auftritt wirkt. Etwas stimme doch nicht ganz mit dem Herren da. Richtig. Könnte sein. Gespielt wird Bunny von Stephan Weigelin, im zur Seite steht Max Rohland. Beide habe ich einen Tag vorher bei der wunderbaren Inszenierung im Rahmen der SIGNS.-Veranstaltungsreihe von »Mary & Max« in ebendiesem Schauspielhaus bestaunen können. Nun widmen sich beide allerdings dem Stück von Nick Cave, Musiker, Schriftsteller und Schauspieler – und es geht ganz schön zur Sache.

Bunny Munro ist unterwegs, mal wieder, mal wieder auf Handelsreise, um Kosmetikprodukte zu verkaufen. Gleichzeitig aber auch, um sich voll laufen zu lassen und vor allem um zu ficken. Das macht er nämlich ziemlich gerne. In der einen Hand den Hörer und seine chronisch depressive Frau an der Strippe beteuert er seinem »Baby« natürlich die Liebe, begutachtet im Gegenzug aber das Hinterteil einer Prostituierten, die sich unmittelbar in der Nähe aufhält. Bunny Munro wie er leibt und lebt, auf der Überholspur, versoffen, sexsüchtig – ein Fuckaholic.

Dann ein kleiner Schock bei der Heimkehr. Ehegattin Libby hat sich das Leben genommen und damit hat er nun den neunjährigen Bunny Boy Junior, seinen Sohn, am Bein, den ihm nicht mal die Schwiegermutter abnehmen will. Gemeinsam ziehen sie los, flüchten. Munro versucht sich weiter als Vertreter und der Sohn, der stets seine Mum vermisst, muss so lange gehorsam im Auto warten. Nick Cave - Der Tod des Bunny Munro Szenische - Lesung 2Der Senior hat erst mal nichts weiter als weibliche Genitalien im Kopf (»Ich liebe Muschis mehr als das Leben«) und perfide Assoziationen, bis dann ein Bruch erfolgt. Doch die letzte Reise endet tragisch. Als alles an Bunny, der etwas Diabolisches, Egomanes und Abgewracktes verkörpert, vorbeizieht, er bereut, – gibt es keinen Weg zurück mehr.

Für Zartbesaitete und Konservative ist dieses Stück sicherlich nichts; Sex und Suff, Suff und Sex. Doch bei weitem steckt bei dieser pornografischen, schockierenden Charakterstudie voller Rock ’n‘ Roll mehr dahinter. »Wir müssen einander lieben oder sterben«, reflektiert Bunny Munro am Ende im philosophischen Ton. So ist es.

[Buchinformationen: Cave, Nick (2009): Der Tod des Bunny Munro. Verlag Kiepenheuer & Witsch. Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs. Titel der Originalausgabe: The Death of Bunny Munro. 320 Seiten. ISBN: 978-3-462-04129-3]

3 thoughts on “Nick Cave – Der Tod des Bunny Munro (Szenische Lesung)

  1. Pingback: (Die Sonntagsleserin) KW #22 – Mai/Juni 2014 | Bücherphilosophin

  2. Unterschreib ich! Das Buch ist krass und verstörend, aber verdammt gut. Und auch die Lesung im Theater war genial, wie Max Rohland in die verschiedenen Rollen schlüpft…. grandios!

    • Hm, schwierig. Die Lesung in der Form hat mir gefallen. Für die szenische Umsetzung wurde ja komprimiert. Möglich, dass mir Caves ganzes Werk angesichts der etwas monotonen Gedankengänge (Sexbesessenheit) nicht gefallen hätte. Aber Max Rohland war tatsächlich genial 😉

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